Billard. Mehr als ein Spiel!
Über zwanzig Jahre lang bestimmten Drogen mein Leben. Täglicher Konsum, kaum Hoffnung, kein klarer Ausweg. Heute lebe ich abstinent. Ein Billardtisch hat auf diesem Weg eine größere Rolle gespielt, als ich je erwartet hätte. Er brachte mir Ruhe, Fokus und Gemeinschaft. Diese Geschichte handelt von Mut, von einem Neuanfang und davon, wie etwas so Einfaches wie ein Spiel helfen kann, das eigene Leben wieder in die Hand zu nehmen.
Billard. Mehr als ein Spiel!
Über zwanzig Jahre lang bestimmten Drogen mein Leben. Täglicher Konsum, kaum Hoffnung, kein klarer Ausweg. Heute lebe ich abstinent. Ein Billardtisch hat auf diesem Weg eine größere Rolle gespielt, als ich je erwartet hätte. Er brachte mir Ruhe, Fokus und Gemeinschaft. Diese Geschichte handelt von Mut, von einem Neuanfang und davon, wie etwas so Einfaches wie ein Spiel helfen kann, das eigene Leben wieder in die Hand zu nehmen.
Während meines qualifizierten Drogenentzugs in der Fachklinik Bokholt wurde mir zum ersten Mal wirklich bewusst, wie sehr die Sucht mein Leben über Jahrzehnte geprägt hatte. Die Klinik gab mir Struktur, therapeutische Begleitung und einen geschützten Raum, um zur Ruhe zu kommen. Trotzdem merkte ich schnell, dass Veränderung nicht nur in Therapiesitzungen passiert, sondern oft in ganz unscheinbaren Momenten.
Ein neuer Anker im Entzug: Halt und Fokus am Billardtisch
Einer dieser Momente wartete am Billardtisch. Dort begegnete ich Hussi, einem 51-jährigen Libanesen mit über 30 Jahren Drogenerfahrung. Er hatte früher viel Snooker und Billard gespielt und wurde in einer für mich sehr unruhigen Zeit zu einem wichtigen Menschen. Ohne große Worte zeigte er mir Geduld, Konzentration und Achtsamkeit. Drei Wochen lang war ich sein Schüler. Wir spielten fast täglich, oft ganz spontan, weil wir uns immer wieder am Tisch trafen. Billard wurde für mich ein stiller Anker während des Entzugs.
Nach und nach kamen weitere Patientinnen und Patienten dazu. Auch die Jugendabteilung der Klinik wurde aufmerksam. Aus zwei Menschen am Tisch wurde eine kleine Gemeinschaft. Am Ende organisierten wir ein Billardturnier mit 15 Teilnehmenden zwischen 16 und 51 Jahren. Gewinnen war dabei nebensächlich. Entscheidend waren Respekt, Miteinander und die Erfahrung, dass Freude, Spannung und Erfolg auch ohne Drogen möglich sind.
Der Weg aus 20 Jahren Abhängigkeit in ein abstinentes Leben
Diese Erfahrung traf auf eine lange und schwere Vorgeschichte. Meine Sucht begann früh. Mit sieben Jahren rauchte ich meine erste Zigarette und trank mein erstes Bier. Mit zwölf folgte Cannabis. Mit vierzehn Ecstasy und Amphetamine. Ab meinem 18. Lebensjahr gehörten Kokain und Cannabis regelmäßig dazu. Über mehr als zwanzig Jahre konsumierte ich fast täglich. Was sich einmal nach Freiheit angefühlt hatte, wurde zur Gewohnheit und schließlich zur Abhängigkeit.
Am 10.10.2024 ging ich zum ersten Mal zur Suchtberatung der Vorwerker Diakonie. Es war kein großer Schritt nach außen, aber ein ehrlicher nach innen. Am 22.12.2025 gelang es mir schließlich, zu 100 Prozent Nein zu sagen. Dieses Nein veränderte alles. Ich begann zu verstehen, dass Abstinenz nicht Verzicht bedeutet, sondern Entwicklung. Neue Rituale, echte Gefühle, Klarheit und ein neues Bewusstsein für das Schöne im Leben.
Halt und Gemeinschaft: Selbsthilfe und Billard bei CliC Lübeck
Nach dem Entzug kaufte ich mir eigene Queues und suchte mir ein Billardcafé. Bis heute spiele ich in der Regel zweimal pro Woche. Billard wurde für mich kein Ersatz, sondern ein Aufbau. Konzentration statt Chaos. Ruhe statt Flucht. Gemeinschaft statt Isolation. Über meine regelmäßigen Besuche bei den Selbsthilfegruppen von CliC in Lübeck brachte ich die Idee eines gemeinsamen Billardabends ein. Die Resonanz war sehr positiv, auch weil es dort schon vor Corona eine Billardgruppe gegeben hatte.
Bis heute stehe ich mit Hussi in täglichem Kontakt. Auch er ist stabil und geht regelmäßig zum Billard. Unsere Verbindung erinnert mich immer wieder daran, wie wichtig Verlässlichkeit, Austausch und gemeinsame positive Erfahrungen sind. Was damals im Entzug am Billardtisch begann, wirkt bis heute nach. Als Freundschaft. Als Halt. Und als Beweis dafür, dass Veränderung möglich ist, wenn man sie nicht allein gehen muss.
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